New York 1886

Als Louis Charles Hurrelmann am 15.10.1886 in die USA eingebürgert wurde, war die Freiheitsstatue - ein Geschenk der Franzosen - gerade fertiggestellt. Die offizielle Einweihung hat er sehr wahrscheinlich miterlebt. 

Er hat glücklicherweise Ellis Island nicht erleben müssen. Ein Ort der Angst und Unsicherheit, weil niemand wusste, ob er durchgelassen werden würde. Es wurde erst 1892 gegründet und existierte bis 1954.

 Über 12 Millionen Menschen passierten Ellis Island. Es war ein „Schmelztiegel“ der Kulturen: Menschen aus Italien, Irland, Polen, Russland, Deutschland, Skandinavien und vielen anderen Ländern kamen dort an.

Aber jetzt ist Louis im Alltag:
Der 37-jährige steht früh auf. Die Straßen rund um sein kleines Zimmer in der Lower East Side sind schon wach. Pferdehufe klappern, Händler rufen laut ihre Waren, und aus den Fenstern hängt die frisch gewaschene Wäsche der Nachbarn. Louis ist vor vier Jahren aus Hamburg nach Amerika gekommen – mit einem alten Koffer, einem deutschen Wörterbuch und der Hoffnung auf ein besseres Leben. Die Mieten steigen, aber es gibt Gerüchte, dass ein neuer Stadtteil – „Harlem“ – bald erschlossen werden soll. Viele träumen davon, eines Tages genug Geld zu verdienen, um selbst ein kleines Geschäft zu eröffnen. Auch Louis. Vielleicht sein eigenes Malergeschäft, irgendwann. Ein Mix aus harter Arbeit, Hoffnung, kulturellem Umbruch – aber auch kleinen Momenten von Glück.

So lernte die zwei Jahre jüngere Kanadierin Martha Astles aus Quebec kennen.

Sie heirateten am 10. Mai 1870 und bekamen im Laufe der Jahre vier Jungen und eine Tochter. Herman George, Louis Charles, Lilian, Charles und Dietrich Herman. Herman wurde Tapezierer in der Malerfirma Hurrelmann&Hines seines Vaters,